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Nadja Leuenberger

Freestyle - Aerials

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19.04.2010 - Saison 2009/10

Diagnose:

Diese Saison war gepickt von Erlebnissen, komplizierten Berichten und einigen Fotos. Leider auf eine etwas andere Art wie ich mir das ganze vorgestellt habe. Die Erlebnisse waren zwei Operationen, die komplizierten Berichte waren OP-Protokolle und die Foto’s waren MRI Bilder.

Service-Arbeiten:
Nun aber zurück an den Ursprung dieses ganzen Schlamassels. Erst im Oktober machte ich meine letzten Sprünge auf der Wasserschanze, da ich wegen meiner Schulteroperation im April erst im späteren Sommer das Techniktraining aufnehmen konnte. Mitte Oktober ging es für die ersten Schneesprünge nach Saas Fee auf den Gletscher und bereits nach wenigen Tagen sprang ich die ersten Doppelsaltos. Um eine möglichst perfekte Vorbereitung im Olympia-Winter zu haben, reisten wir im November für 4 Wochen nach Ruka FIN ins Trainingslager. Die Bedingungen und die Anlage im hohen Norden waren weltcupwürdig. Dies nutze ich aus und ich konnte bereits früh an meinen Wettkampfsprüngen feilen (LayFull / FullFull). Ende Trainingslager war ich auf einem guten Niveau und ich war bereit für die ersten Weltcups dieser Saison. Bevor es dann aber los ging logierte ich  noch fünf Tage zu Hause und genoss die feine Küche meiner Mama. Am 11. Dezember ging es dann endlich los mit der Weltcuptour und wie erst.

Auf dem Flug von Wien nach Peking durfte das ganze Team wegen Überbuchung der Maschine in der Business-Class Platz nehmen. Von Peking ging es dann mit einem Inlandflug weiter nach Changchung. Da ich China das erste Mal bereiste war dies für mich sehr interessant aber auch etwas speziell. Der erste Trainingstag auf der Anlage in China lief sehr gut und ich hatte mich schnell an die Schanze gewöhnt was immer ein sehr gutes Zeichen ist. Nach der Videoanalyse am Abend entschieden wir uns für den nächsten Tag den zweiten Trainingssprung (FullFull) anzugehen. Am Morgen fühlte ich mich ready für den heutigen Trainingstag und ich hatte ein durchaus gutes Gefühl. Das Training ging los und ich machte meine ersten Sprünge und bei einem weiteren Sprung passierte es…. ein harmloser Sturz aber ich spürte sofort, dass es mir mein linkes Knie verdrehte. Ich stand aber sofort wieder auf meinen Beinen und wollte es einfach nicht wahr haben. Als ich dann aber zurück beim Jugestower war, und mich hinsetzte, da ich nur noch schwer alleine laufen konnte, war mir klar, es fühlt sich nach einem Kreuzband an. Mit meiner Psyche war ich gerade ziemlich am Ende, was ja durchaus verständlich ist. Nach meinem Crash fuhren wir direkt in das Krankenhaus in Changchung um ein MRI zu machen. Nanu, das war ja mal ein Erlebniss… ich wünsche mir nie wieder in ein Chinesisches Spital zu müssen, aber amüsant war es auf jeden Fall. Als wir die Bilder vom MRI erhielten, sahen wir zuerst einmal, dass die Bilder qualitativ nicht sehr gut waren. Aber der kanadische Doktor wertete meine Bilder trotzdem aus und teilte mir mit, dass ich einen BoneBruise habe und das Kreuzband noch hier sei aber es einwenig eine komische Form habe. Naja, so richtig beruhigend war diese Diagnose nicht, aber ich hoffte, dass es nur ein BoneBruise ist, denn dieser  wäre nach vier Monaten wieder verheilt. Mein Knie war ziemlich stark angeschwollen und das Laufen bereitete mir auch zünftig Schmerzen. Da wir dem MRI von China nicht trauten, entschieden wir uns, da ich sowieso nichts Sinnvolles mehr zu tun hatte in China, dass ich bereits früher nach Hause reise um ein zweites MRI in der Schweiz zu machen. Ein Tag vor Heiligabend war der MRI-Termin in der Schweiz und ich erhoffte mir natürlich eine positive Nachricht unter den Weihnachtsbaum. Es wäre ja zu schön gewesen um wahr zu sein. Doktor Berbig teilte mir mit, dass das Kreuzband wieder gerissen ist, dasselbe wie vor zwei Jahren.
Und ab diesem Zeitpunkt ging es los mit Physiotherapie, Operationen, Kontrollterminen und alles was da sonst noch so negatives Zeugs dazu gehört. Einen Vorteil hatte ich, ich wusste im Vorhinein was da alles auf mich zukommt. Am 05. Januar war ich bei Dr. Berbig unter dem Messer und es lief alles tiptop. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte immer mein Knie erste Priorität, aber leider gab es noch eine zweite Baustelle an meinem Körper. Und zwar war dies meine operierte Schulter vom letzten Jahr. Ich spürte sie seit dem Unfall in China und der Schmerz wollte einfach nicht verschwinden. Während die Physiotherapie bei meinem Knie sehr gut voranging und ich die Krücken wieder beiseite legen konnte, machte ich mir langsam aber sicher immer mehr Sorgen um meine linke Schulter. Um Sicherheit zu bekommen, unterzog ich mich im Februar einem MRI an der Schulter… und ich bangte ein weiteres Mal, leider wieder vergeblich. Es war zwar nicht eindeutig ersichtlich ob etwas kaputt ist, aber Dr. Berbig und ich entschieden zusammen, dass man die Schulter besser aufmacht um nachzuschauen. Nach der Operation hätte man meinen können, was ich für einen brutalen Sturz gehabt habe in China, denn es waren gleich zwei Sehnen durchgerissen (Supraspinatussehne und Bizepssehne). Als mir dies Berbig nach der OP mitteilte, schockte er mich schon einwenig, denn es war eigentlich ein harmloser Sturz und ich habe nicht einmal gross gespürt, dass ich auf die Schulter gefallen bin. Genau zwei Monate nach der Kreuzbandoperation lag ich wieder im Spital mit dem Vorteil, dass mich alle Schwestern bereits mit Namen kannten. Beim Austritt aus dem Spital konnte ich diesmal zwar laufen, dafür hatte ich unter dem linken Arm einen Keil und dies für einen ganzen Monat.


Weiterer Verlauf:
Den gesamten Winter verbrachte ich im Spital, in Arztpraxen oder Physiotherapien, dabei wollte ich doch ein Mitglied der Olympiadelegation in Vancouver sein. Dieses ganze Drama brauchte sehr sehr viel Kraft und kostete mich auch manch eine Träne. Aber nun ist der grosse Service gemacht (ich hoffe für die nächsten zwanzig Jahre) und das Schlimmste ist überstanden. Es geht jeden Tag einen Schritt vorwärts und ich tanke wieder neue Motivation. Um mich optimal zu rehabilitieren werde ich mein gesamtes Aufbautraining in Magglingen absolvieren, in Form von mehreren Militär WK’s. Da ich letztes Jahr die Spitzensportler-RS in Magglingen ablegte, steht mir diese Chance nun offen. Mein primäres Ziel ist es nun so schnell wie möglich gesund und fit zu werden um auch im Kopf wieder bereit für neue Höhenflüge zu sein. Ich bin nun ein weiteres Mal hingefallen, aber ich werde alles in Bewegung setzen um wieder aufzustehen und mir beweisen, dass ich es doch kann.
Never give up!!!


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